Apr 2
/
Julia Hartmann
Der Wald - Ein Ort des Lernens und Erlebens
Ein Artikel von Julia Hartmann
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Die Natur umgibt uns seit jeher. Wir leben und lernen von ihr. Wir wachsen in ihr.
Doch anstatt ihn selbst zu erleben, betrachten wir den Naturraum heutzutage
hauptsächlich durch Scheiben. Deshalb wird es Zeit, seine Potentiale für uns
noch einmal in den Fokus zu rücken und unser Bewusstsein für diese gesunden,
nachhaltigen und sinnhaften Lern- und Erlebensmöglichkeiten aufzuwecken.
Kinder, die diese Potentiale erleben dürfen, blühen auf. Ihre Entwicklung wird
bereichert durch einen wahren Schatz, der um sie herum existiert. Unsere Aufgabe
ist es, ihnen diesen Schatz zugänglich zu machen. Mache auch Du Dich auf den Weg,
den Wald für Dich neu zu entdecken. Begib Dich auf eine Reise zu den Wurzeln
unserer Natur. Eine Reise, die Dich persönlich und beruflich wachsen lässt.
Stell Dir mal vor...
… Du ziehst Dir Deine Schuhe an, Du öffnest die
Haustür und begibst Dich nach draußen in die Natur
und weiter in den Wald. Dich umgibt das Tageslicht.
Die Sonne scheint. Nach Stunden in gemeinsamer Raumluft
mit anderen Menschen, atmest Du die frische, sauerstoffreiche
Luft in Deine Lungen.
In diesem Augenblick setzen bereits rein physische
Reaktionen ein, die ganz von allein geschehen, ohne dass
Du bewusst etwas davon mitbekommst. Deine körpereigene
Bildung von Vitamin D wird angeregt, um Deine Gesundheit
zu unterstützen und Dein Immunsystem zu stärken. Durch
die von Tageslicht geförderte Bildung des Glückshormons
Serotonin wird Deine Stimmung gesteigert. Auch beeinflusst
Tageslicht die Unterdrückung des Hormons Melatonin,
was Dich wacher und konzentrierter werden lässt
und regulierend auf Deinen Tag-Nacht-Rhythmus wirkt.
Deine Blutgefäße, die sich bei Kälte zusammenziehen und
bei Wärme öffnen, regen Deinen Blutkreislauf und Deinen
Stoffwechsel an. ...
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Die Natur umgibt uns seit jeher. Wir leben und lernen von ihr. Wir wachsen in ihr.
Doch anstatt ihn selbst zu erleben, betrachten wir den Naturraum heutzutage
hauptsächlich durch Scheiben. Deshalb wird es Zeit, seine Potentiale für uns
noch einmal in den Fokus zu rücken und unser Bewusstsein für diese gesunden,
nachhaltigen und sinnhaften Lern- und Erlebensmöglichkeiten aufzuwecken.
Kinder, die diese Potentiale erleben dürfen, blühen auf. Ihre Entwicklung wird
bereichert durch einen wahren Schatz, der um sie herum existiert. Unsere Aufgabe
ist es, ihnen diesen Schatz zugänglich zu machen. Mache auch Du Dich auf den Weg,
den Wald für Dich neu zu entdecken. Begib Dich auf eine Reise zu den Wurzeln
unserer Natur. Eine Reise, die Dich persönlich und beruflich wachsen lässt.
Stell Dir mal vor...
… Du ziehst Dir Deine Schuhe an, Du öffnest die
Haustür und begibst Dich nach draußen in die Natur
und weiter in den Wald. Dich umgibt das Tageslicht.
Die Sonne scheint. Nach Stunden in gemeinsamer Raumluft
mit anderen Menschen, atmest Du die frische, sauerstoffreiche
Luft in Deine Lungen.
In diesem Augenblick setzen bereits rein physische
Reaktionen ein, die ganz von allein geschehen, ohne dass
Du bewusst etwas davon mitbekommst. Deine körpereigene
Bildung von Vitamin D wird angeregt, um Deine Gesundheit
zu unterstützen und Dein Immunsystem zu stärken. Durch
die von Tageslicht geförderte Bildung des Glückshormons
Serotonin wird Deine Stimmung gesteigert. Auch beeinflusst
Tageslicht die Unterdrückung des Hormons Melatonin,
was Dich wacher und konzentrierter werden lässt
und regulierend auf Deinen Tag-Nacht-Rhythmus wirkt.
Deine Blutgefäße, die sich bei Kälte zusammenziehen und
bei Wärme öffnen, regen Deinen Blutkreislauf und Deinen
Stoffwechsel an.
Du bewegst Dich weiterhin im Wald, gehst zwischen den Bäumen hindurch. Genießt die Stille. Es gibt keinen Lärm und keinen Trubel um Dich herum.
Im Gegensatz zum Aufenthalt in geschlossenen
Räumen, in denen Du aufgrund von Tätigkeiten und
Kommunikation von Mitmenschen sowie medialen Einflüssen
häufig einer Überflutung Deiner Wahrnehmung
ausgesetzt bist, vermittelt Dir der Naturraum Gefühle von
Freiheit und Ausgeglichenheit. Dein Puls und Deine
Herzfrequenz sinken. Dein autonomes Nervensystem
entspannt sich. Es befindet sich im Gleichgewicht von
Anspannung und Entspannung. Die Konzentration des
Stresshormons Cortisol in Deinem Blut sinkt. Deine Aufmerksamkeit
wird auf ganz andere Weise angesprochen. Jetzt gerade läufst Du einen Waldpfad entlang. Du riechst
die feuchte, erdige Luft, streichelst das weiche Moos,
welches am Baumstamm neben Dir wächst. Durch Einatmung
und Berührung kommst Du mit einer ganz anderen
Mikroflora in Kontakt als in Innenräumen. Dein Körper lernt,
sich mit diesen Einflüssen auseinanderzusetzen. Dein
Immunsystem wird gestärkt.
Du hüpfst über Wurzeln, duckst Dich unter herabhängenden Ästen hindurch. Du weichst Schnecken und Käfern aus und überquerst mit einem großen Sprung einen kleinen Graben. Die Vögel zwitschern um Dich herum und fliegen auf, das Laub und der Waldboden federn Deinen Gang, die Blätter rascheln im Wind. Neben Dir fällt ein Zweig auf die Erde. Dieser Weg ist anspruchsvoll. Er fordert Deine Aufmerksamkeit sowie Deine körperlichen Fertigkeiten heraus. Doch Du empfindest Leichtigkeit und Freude.
Was uns erschöpft ist nicht die Leistungserbringung.
Es ist die Eintönigkeit. Im Wald werden Deine Sinne
herausgefordert, Deine Wahrnehmung geschärft und
Deine Empfindungsfähigkeit sensibilisiert. Dein Gehirn
speichert jede Deiner körperlichen Erfahrungen und
verknüpft sie mit Emotionen.
Der letzte Sturm hat einen Baum entwurzelt. Er liegt mit seiner üppigen Baumkrone quer über dem Pfad, auf dem Du Dich bewegst. Seine Äste stehen in alle Richtungen ab, einige liegen herum. Ein Hindernis oder eine Herausforderung? Du lächelst. Der Baum hält Dich nicht auf. Dein Körper, der sonst genormte feste Treppenstufen herauf und herab geht, lernt nun, mit den immer unterschiedlichen Beschaffenheiten des Naturraums umzugehen. Du wirst motorisch geschickter, baust Muskulatur auf und trainierst Deine koordinativen Bewegungsfertigkeiten. Der Waldboden unter Dir fühlt sich uneben und nachgiebig an.
Was uns erschöpft, ist nicht die LEISTUNGSERBRINGUNG. Es ist die EINTÖNIGKEIT.
Über die herabgefallenen Äste steigst Du drüber und testest vorsichtig, ob sie Dein Gewicht aushalten. Dabei passt Du auf, dass Deine Füße nicht in Hohlräume geraten.
Die Natur ist Deine natürliche Bewegungsbaustelle –
ohne genormte, vom TÜV abgenommene Geräte, die stets
gleich bleiben. Hier hast Du die Möglichkeit, ein viel größeres
Spektrum an Bewegungsmustern auszubilden und
Deinen gesamten Bewegungsapparat zu stärken. Kein
Ast gleicht dem anderen, kein Abstand dem vorigen.
Dieses variable Bewegungslernen führt bei Dir zu einer
Verinnerlichung der Fähigkeit Gleichgewicht. Du wirst
Deine Fertigkeiten zukünftig immer differenzierter einsetzen
können und bist gleichzeitig weniger unfallgefährdet.
Es ist wichtig, sich selbst gut zu kennen und die
eigenen Fertigkeiten realistisch einschätzen zu können.
Das nennt man Selbstbewusstsein.
Du bist immer noch im Wald unterwegs. Ein sumpfiger Abschnitt liegt vor Dir. Wieder stehst Du vor einer Herausforderung und vor einer Wahl. Deine Problemlösestrategien sind gefragt. Von Dir selbst hängt der Erfolg ab. Entscheidest Du Dich für eine nicht erfolgreiche Lösung, bekommst du nasse Füße. Du könntest Dir Äste über den Matsch legen, um darüber zu gehen. Du könntest mit einem Stock die Festigkeit des Bodens testen. Vielleicht fallen Dir noch andere Möglichkeiten ein? Wofür entscheidest Du Dich?
Niemand aus Deiner sozialen Umwelt bewertet
Dich mit gut oder schlecht. Du machst eine Selbstwirksamkeitserfahrung,
die Dir im besten Fall Erfolg
beschert. Und wenn nicht, so hast Du dennoch eine
wichtige Erfahrung gewonnen. Je mehr solcher
Lebenserfahrungen Du machst, umso größer werden
Dein eigenverantwortliches Handlungsspektrum und
Deine Bereitschaft, Dich Risiken zu stellen. Denn Herausforderungen
sind der Ursprung von Bildungs- und
Entwicklungsprozessen, die auch im Erwachsenenalter
niemals enden.
Da sich der Naturraum fortlaufend verändert, wird auch für Dich jedes Erlebnis in der Natur ein wenig anders sein. Auf dem selben Pfad werden Dir immer wieder neue Fragen begegnen. Wo kommen die ganzen Käfer her? Wer hat in diesen Pilz gebissen? Warum verlieren die jungen Buchen ihre Blätter nicht?
Da sich der Naturraum fortlaufend verändert, wird auch für Dich jedes Erlebnis in der Natur ein wenig anders sein. Auf dem selben Pfad werden Dir immer wieder neue Fragen begegnen. Wo kommen die ganzen Käfer her? Wer hat in diesen Pilz gebissen? Warum verlieren die jungen Buchen ihre Blätter nicht?
Heute richtest Du Deinen Blick auf den Erdboden. Dort fallen Dir die kleinen Bucheckern auf, die überall herumliegen. Viele junge Bäume verschiedener Größe schauen aus der Erde. Sie sind aus den abgeworfenen Bucheckersamen der älteren Buchen erwachsen. Du betrachtest die jungen Bäume und stellst Dir das feine Wurzelwerk vor, das sich in den nächsten Jahrzehnten unter Deinen Füßen im Erdboden immer weiter in alle Richtungen ausbreitet. Erst jetzt wird Dir wirklich bewusst, wie ein Baum entsteht. Du hast schon einige Bücher dazu gelesen. Doch jetzt gerade hast Du es so richtig verstanden. Ein dicker Mistkäfer kreuzt Deinen Weg. Du weichst ihm aus, denn es ist sein Lebensraum, in dem Du Dich befindest. Du bückst Dich, schaust ihn Dir genau an. Dann - plötzlich – breitet er seine zwei Flügelpaare aus und fliegt davon. Bisher hast Du nie darüber nachgedacht, doch ab jetzt wirst Du für immer wissen, dass Mistkäfer auch fliegen können. Anschaulich und sinnzusammenhängend sammelst Du Erfahrungen und erwirbst Wissen über die heimische Flora und Fauna im jahreszeitlichen Verlauf.
Wusstest Du, dass Du im Wald auch von Physik und
Mathematik umgeben bist? Sieh dich um. Das Spinnennetz
am Wegesrand folgt einem symmetrischen Aufbau.
Ebenso die Blattstrukturen und Tannenzapfen. Die Formen
gefrorener Wasserstellen folgen geometrischen Prinzipien.
Der Wald ist ein Beweis der mathematischen Allgegenwart,
die es zu entdecken lohnt.
Du bist auf einer Anhöhe angekommen. Von hier aus geht es hinab ins Tal. Was für ein Ausblick! Du spürst den lauwarmen Wind im Gesicht. Was fühlst Du in diesem Moment? Aus vollem Halse rufst Du in die Ferne hinein. Du experimentierst mit Deiner Stimme. Wo kannst Du das sonst, ohne komisch angesehen zu werden? Du spielst mit den physikalischen Eigenschaften von Schall und Echo. Der Wald ist ein natürlicher Experimentierraum, in dem Du physikalische Konzepte wie Kräfte, Energien, Schwingungen, Licht und Wärme erleben kannst.
Verhaltensregeln und Lebenspraxis werden Dir mit auf
Deinen Weg gegeben. Immer sicherer bewegst Du Dich
im Wald. Mit der Zeit wirst Du ein Teil von ihm. Du wirst
wissen, wohin Du Deine Füße sicher setzen kannst, wann
Du auf Astbruch vorbereitet sein solltest und wie lange
Du Tageslicht im Wald hast, um Dich zu orientieren. Du
weißt es, ohne dass Du es bewusst gelernt hast.
Neben Dir entdeckst Du einen moosbewachsenen Baumstumpf. Er weckt in Dir das Bild einer Festung. In den Nischen und Eingängen zwischen den Wurzeln siehst Du die Ritter hindurch reiten. Kleine Zweige werden zu Menschen, die die Festung bewohnen. Du kannst einer von ihnen sein. Oder alle. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt keine Vorgaben für Spielsituationen und Rollenverteilungen. Du befindest Dich in Deiner freien Erlebniszeit. Alles ist möglich.
Der Wald bietet Dir ein enormes Selbstlernpotential
durch eigenes Entdecken, Erproben, Experimentieren,
Erfinden und Erleben. Der Wald bietet Dir das, was Du
gerade brauchst. Das ist viel bildungswirksamer als alle
vorgegebenen Lernarrangements.
In der Natur erfährst Du, Teil eines großen Ganzen zu
sein. Ein Teil des Kreislaufs des Lebens, zu dem Du
gehörst und mit dem Du verbunden bist. Dieses Gefühl
trägt dazu bei, Resilienz zu entwickeln. Dich stark und
verbunden zu fühlen, macht Dich widerstandsfähiger
gegen Niederlagen und Schicksalsschläge. Die Natur
gibt Dir Kraft, Mut und Energie. Sie erdet Dich und
umarmt Dich, wenn Du es brauchst. Wenn es Dir in der
Zukunft in einer Situation oder Lebensphase nicht gut
geht, wirst Du Dich an dieses Gefühl der Zugehörigkeit
erinnern. Möglicherweise wirst Du Dich dann eher für
einen Spaziergang im Wald entscheiden als dich zu
Hause einzuigeln.
Nach einem erlebnisreichen Tag im Wald kehrst Du nun nach Hause zurück. Du hast heute viel geleistet. Doch Du fühlst Dich körperlich ausgeglichen und geistig entspannt. War das der Wald? Deine Augen leuchten bei der Erinnerung an den heutigen Tag. Der Wald ist Dein Freund. Diesen Ort wirst Du für immer schätzen und beschützen. Dein ökologisches Bewusstsein entsteht - genau jetzt.
Du nimmst Dir vor, beim nächsten Mal gemeinsam mit
Freunden den Wald zu besuchen. Du freust Dich auf die
gemeinsame Interaktion und Kooperation, auf die Weiterentwicklung
sozialer Fähigkeiten und die Intensivierung
Eurer Freundschaft. Natürlich sind es nicht diese
Begriffe, auf die Du Dich freust. Du erwartest ganz einfach
einen tollen Tag. Und genau so soll es sein. Du
hast einen Schatz für Dich entdeckt. Zeige ihn auch den
Kindern!
Um Kindergruppen im Wald zu
begleiten, ist eine eigene positive
Haltung zur Natur zunächst die
wichtigste Voraussetzung.
Thematische Fachkompetenz über
Planung, Ausstattung, Sicherheitsaspekte,
Kompetenzerwerb und vieles mehr kannst
Du Dir aneignen. Die Begeisterung, den Erlebensraum
Natur für Kinder zu öffnen, erwächst
aus Dir selbst. —
Quellen
Titelbild: ©Julia Hartmann
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Julia Hartmann ist Erzieherin mit
Zusatzausbildung als
Psychomotorikerin und
Zusatzqualifikationen
als Fachkraft für
Waldpädagogik,
Sprachförderkraft
und Praxisanleiterin.
Neben 25-jähriger
Praxiserfahrung in
sozialpädagogischen
Einrichtungen ist
sie freiberuflich
als Referentin
für Erwachsenenbildung
tätig.
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