Dec 18 / Miriam Eicke

Gemeinsam stark - Offene Arbeit als Wegbereiter für mehr Inklusion


Ein Artikel von Miriam Eicke
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Offene Arbeit in Kindertageseinrichtungen trifft oftmals auf Vorurteile, bei Eltern und bei Fachkräften. Eine Schwierigkeit liegt darin, dass es nicht das eine Konzept oder die eine Gebrauchsanweisung für Offene Arbeit gibt. Eine weitere liegt darin, dass Offene Arbeit weder ein Sparmodell ist, noch ein Konzept, das man mal eben umsetzen kann. Es braucht Ressourcen, Motivation, Visionen, Wissen und vor allem: Zeit. Der große Vorteil liegt in der Flexibilität des Konzepts. Jede Einrichtung kann mit dem arbeiten, was da ist: sei es die Altersspanne, die räumlichen Gegebenheiten, aber auch die persönlichen Ressourcen der Teammitglieder.

INKLUSION ist kein neues Wort für Integration, sondern eine inhaltliche NEUAUSRICHTUNG.
Inklusion ist auch kein pädagogisches Konzept, sondern eine HALTUNG.

OFFENE ARBEIT VERSTEHEN

Offene Arbeit macht den Weg für alle frei. Sie richtet sich konsequent an den Interessen aller Kinder aus, unabhängig von ihren jeweiligen Besonderheiten. Folgt man diesem Weg und orientiert sich an den WEGWEISERN von Lill (2012) wird schnell deutlich, dass Offene Arbeit ein kinderrechtebasierter Ansatz ist, der die Stärkung und Entwicklung aller Kinder als Zielsetzung hat. Gleichzeitig kann dieses Ziel nur erreicht werden, wenn sich Professionalität und Expertise auch in den Kita-Strukturen niederschlagen, ebenso in Krippe, Hort, OGS und in offenen Angeboten.

ZIELE UND LEITGEDANKEN sind beispielsweise das Streben nach Unabhängigkeit und Eigenverantwortung zu unterstützen, Chancen zu ermöglichen, sich in der Gemeinschaft wohlzufühlen, sich nützlich machen zu können und wirksam zu sein.

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Offene Arbeit in Kindertageseinrichtungen trifft oftmals auf Vorurteile, bei Eltern und bei Fachkräften. Eine Schwierigkeit liegt darin, dass es nicht das eine Konzept oder die eine Gebrauchsanweisung für Offene Arbeit gibt. Eine weitere liegt darin, dass Offene Arbeit weder ein Sparmodell ist, noch ein Konzept, das man mal eben umsetzen kann. Es braucht Ressourcen, Motivation, Visionen, Wissen und vor allem: Zeit. Der große Vorteil liegt in der Flexibilität des Konzepts. Jede Einrichtung kann mit dem arbeiten, was da ist: sei es die Altersspanne, die räumlichen Gegebenheiten, aber auch die persönlichen Ressourcen der Teammitglieder.


INKLUSION ist kein neues Wort für Integration, sondern eine inhaltliche NEUAUSRICHTUNG.
Inklusion ist auch kein pädagogisches Konzept, sondern eine HALTUNG.


OFFENE ARBEIT VERSTEHEN

Offene Arbeit macht den Weg für alle frei. Sie richtet sich konsequent an den Interessen aller Kinder aus, unabhängig von ihren jeweiligen Besonderheiten. Folgt man diesem Weg und orientiert sich an den WEGWEISERN von Lill (2012) wird schnell deutlich, dass Offene Arbeit ein kinderrechtebasierter Ansatz ist, der die Stärkung und Entwicklung aller Kinder als Zielsetzung hat. Gleichzeitig kann dieses Ziel nur erreicht werden, wenn sich Professionalität und Expertise auch in den Kita-Strukturen niederschlagen, ebenso in Krippe, Hort, OGS und in offenen Angeboten.

ZIELE UND LEITGEDANKEN sind beispielsweise das Streben nach Unabhängigkeit und Eigenverantwortung zu unterstützen, Chancen zu ermöglichen, sich in der Gemeinschaft wohlzufühlen, sich nützlich machen zu können und wirksam zu sein.

Aber auch Selbstbestimmung und Verantwortungsübernahme, für andere, für die Gemeinschaft und das Haus spielen eine wichtige Rolle in der Offenen Arbeit. Begleitet wird dies stets durch den Abbau von Machtstrukturen. In der Praxis bedeutet das: Räume und Material werden gemeinschaftlich genutzt, Aufgaben gemeinsam übernommen, die Verantwortung für alle Kinder geteilt und der Kita-Alltag gemeinsam geplant und organisiert. Vermittelt werden den Kindern in gelungenen Settings der Offenen Arbeit vor allem Kompetenzen, die ihnen ihr ganzes Leben lang nutzen: Selbstvertrauen, Neugierde, Mut, Entdeckerlust, Kreativität und Fantasie, sowie Verantwortungsübernahme für sich und die eigene Umwelt. Innerhalb dieses Rahmens können Einrichtungen ihre Offene Arbeit gestalten und somit auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen, immer wieder.

ZUSAMMENARBEIT VON KINDERN, ELTERN UND FACHKRÄFTEN

Bei diesem Prozess ist hervorzuheben, dass Offene Arbeit ein Kooperationskonzept ist. Innerhalb des Teams braucht es die Sicherheit, sich auf die anderen verlassen zu können. Die Kinder als Akteur:innen in der Kita kooperieren sowohl untereinander, als auch mit den Erwachsenen (Fachkräften und Eltern). Die Eltern brauchen ein hohes Maß an Vertrauen, das sie der Kita schenken, da die wenigsten in ihrer Kita-Zeit ein funktionierendes offenes Konzept erleben durften. Auf allen drei Ebenen braucht es Transparenz und Kommunikation, um niemanden auf dem Weg zu verlieren.

INKLUSION IN DER OFFENEN ARBEIT

Genau wie bei dem Begriff der Offenen Arbeit, braucht es auch bei der Verwendung des Wortes "Inklusion" zunächst eine klare Definition. Denn Inklusion ist kein neues Wort für Integration, sondern eine inhaltliche Neuausrichtung. Inklusion ist auch kein pädagogisches Konzept, sondern eine Haltung. Inklusion geht von der Besonderheit und den individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes aus. Somit ist eine heterogene Gruppe unteilbar und besondere Maßnahmen sind nicht mehr erforderlich, da ausreichend Ressourcen für die gesamte Institution bereitgestellt wurden, damit diese mit heterogenen Gruppen angemessen arbeiten kann. Das bedeutet schlussendlich: Die Gemeinsamkeit aller Menschen ist normal. Bereits an dieser Stelle wird deutlich, wie weit wir noch von Inklusion in diesem Sinne entfernt sind. Es zeigt aber auch, dass Inklusion ein Prozess ist und somit jeder Schritt, der in Richtung Teilhabe von benachteiligten Kindern gegangen wird, ein wichtiger Schritt ist.

EMPOWERMENT

Die Ziele und Leitgedanken der Offenen Arbeit findet man in der Behindertenpädagogik unter der Bezeichnung EMPOWERMENT. Dieser Begriff lässt sich am besten mit SELBSTBEMÄCHTIGUNG oder auch SELBSTKOMPETENZ übersetzen. Empowerment umfasst Strategien und Maßnahmen, die Menschen dabei helfen, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen. Durch Empowerment sollen sie in die Lage versetzt werden, ihre Belange zu vertreten und zu gestalten. Somit kann Empowerment durchaus auch ein kinderrechtliches Thema sein.

In der Offenen Arbeit werden 3 Kernpunkte benannt, die auch als Kernpunkte der Inklusion gelten können: niemanden ausgrenzen, achtsam sein und Machtstrukturen abbauen. Es ist unmöglich, offen zu arbeiten, wenn Menschen ausgegrenzt werden. Hierbei geht es nicht (nur) darum, dass Kinder nicht abgelehnt werden, sondern auch darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich alle willkommen fühlen und entfalten können. Der achtsame Umgang mit sich und anderen setzt einerseits das Verständnis für die Handlungen der Kinder voraus, und die Bereitschaft, Wege zu finden, in ihrer Gedanken- und Kommunikationswelt anzudocken. Andererseits schließt es aber auch den achtsamen Umgang mit dem Lebensraum ein, mit unserer Umwelt. Auf Inklusion bezogen bedeutet dies, einen Blick für Barrieren zu entwickeln und für eine gute Lernatmosphäre zu sorgen. Die Verantwortung hierfür liegt bei allen, bei Erwachsenen und Kindern gleichermaßen. Die einen müssen achtsam sein, welche Bedürfnisse gerade wichtig sind, die anderen müssen achtsam sein, welche Bedürfnisse sie haben und diese im besten Fall kommunizieren.

MACHT IN DER OFFENEN ARBEIT

Das Thema Macht ist sowohl in der Offenen Arbeit als auch in der Inklusion ein zentrales. Davon ausgehend, dass Inklusion nicht nur Menschen mit Behinderungen betrifft, sondern alle, sollte die menschenrechtliche Perspektive herangezogen werden. Diese findet sich (zum Thema Abbau von Machtstrukturen) im Grundgesetz in Artikel 3, Absatz 1 wieder: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich." In der Realität gibt es aber durchaus Diversitätsmerkmale, die eine Benachteiligung begünstigen. In der Kita sind dies beispielsweise die Lebenslage, die finanzielle Situation, geringe sprachliche Ausdrucksfähigkeit oder eine Behinderung.

INKLUSION IM OFFENEN KONZEPT LEBEN

Dies alles unter einen Hut zu kriegen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Doch in einer Kita mit gut funktionierendem offenem Konzept, bieten sich unendliche- Möglichkeiten, Inklusion zu leben.
Diese Orientierung ermöglich den Kindern, Selbstwirksamkeit zu erleben. Sie lernen Selbstregulation und Frustrationstoleranz, erleben positive Aufmerksamkeit, können durch die Entwicklungsbegleitung der Fachkräfte Handlungsstrategien entwickeln und fühlen sich als Teil der Gemeinschaft. Das gilt für alle Kinder. Auch Kinder, die in anderen Settings herausforderndes Verhalten zeigen, profitieren von Offener Arbeit, da sie die Möglichkeit haben, sich herausfordernden Situationen zu entziehen. Durch die gemeinsame Zuständigkeit und Verantwortungsübernahme, verteilt sich die Herausforderung auf mehrere Schultern im Team, was sich entlastend auf die Gesamtsituation im Haus auswirken kann. Durch gut gestaltete Funktionsräume erleben Kinder innere Differenzierung. Jedes Kind kann sich nach seinen Interessen und Fähigkeiten entfalten und gleichzeitig vom Vorbild anderer Kinder profitieren. Neben vielen anderen positiven Aspekten bereitet Offene Arbeit Kinder meiner Meinung nach besonders darauf vor, selbstständige, solidarisch denkende, kritisch hinterfragende und verantwortungsvolle Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden.

OFFENE ARBEIT bietet
  • BEDÜRFNISORIENTIERUNG: Ruhe, Bewegung, viele/wenige Menschen, Essen, Trinken, Kreativität, Struktur.
  • SUBJEKTORIENTIERUNG: Wer tut mir gerade gut? Wer hält mich aus? Wem gehe ich aus dem Weg?
  • INTERESSENORIENTIERUNG: Was interessiert mich? Worin möchte ich mich vertiefen? Wer kann mir helfen? Wer möchte mitmachen?

Gelungene Inklusion im Offenen Konzept

1. Ein Kind mit Epilepsie, das ständig unter Beobachtung stand, forderte die Fachkräfte dahingehend heraus, dass es sich immer versteckte und somit versuchte, der Beobachtung zu entkommen. Im Konzept der Einrichtung war vorgesehen, dass Kinder auch allein in Räumen spielen dürfen. Nach der Analyse der Situation wurde dieses Recht auch dem Kind mit Epilepsie zugestanden. Die Lösung: Eine Fachkraft beobachtete das Kind vom Garten aus und konnte jederzeit durch die Terrassentür den Raum betreten. Durch diesen Freiraum wurde das Versteckspiel unnötig und der Aufenthalt drinnen unter Beobachtung für das Kind aushaltbar.

2. Einem schwerstmehrfachbehindertem Kind wurde bei der Eingewöhnung der Turnraum verweigert, da Expert:innen ihn als zu laut und wuselig bewerteten. Als das besagte Kind nach einem Toilettenbesuch im Kreativbereich verschwand, stellte man fest, dass dort die Eingewöhnung besser klappte. Die Lösung: Das Eingewöhnungssystem wurde flexibilisiert und an die Bedürfnisse der Kinder angepasst. Im Turnraum blühte das Kind auf.

FAZIT AUS DER PRAXIS

Wenn man die eigenen Strukturen unter die Lupe nimmt, die vorhandenen Ressourcen ausschöpft, kreativ und flexibel agiert und gleichzeitig den Kindern, Eltern und Mitarbeiter:innen einen sicheren und transparenten Rahmen bietet, wird deutlich, dass Inklusion in der gut gelebten Offenen Arbeit nicht nur möglich, sondern eine Selbstverständlichkeit ist.  —

Quellen

Gerlinde Lill, Was Sie schon immer über Offene Arbeit wissen wollten, Berlin: verlag das netz 2012. TPS Praxismappe: Diversität in der Kita, Stuttgart, 1/2021.
Titelbild
: ©freepik.com

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Miriam Eicke hat einen Master in Inclusive Education mit Berufserfahrung in den unterschiedlichsten pädagogischen Feldern: von stellvertretender Kita-Leitung, über stationäre Jugendhilfe, Offener Jugendarbeit, kess-Elterntrainerin und Fachdienstleitung. Heute arbeitet Miriam als Lehrbeauftragte, Dozentin und Prozessbegleitung in pädagogischen Kontexten, sowie als Systemische Beraterin, Autorin und in der Burnout-Prävention.
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