Jan 22 / Julia Nordt

Gemeinschaft erleben und feiern. Rituale und Feste in der pädagogischen Praxis


Ein Artikel von Julia Nordt
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Der Gang in die Kirche am Ostersonntag, der Duft nach Tannennadeln oder Punsch und das Glöckchen, das uns an Heiligabend zur Bescherung ruft. Diese Sinneseindrücke verbinde ich mit Weihnachten und Ostern. Wenn Du ebenfalls im christlich-deutschen Kontext aufgewachsen bist, wirst Du vermutlich ähnliche Sinneseindrücke im Kopf haben. Es sind Traditionen und Rituale, mit denen wir von klein auf vertraut gemacht werden und die wir mit dem Fest um Jesus verbinden. Einige von ihnen haben wir so sehr verinnerlicht, dass wir sie mit in unsere eigene Familie nehmen und sie mit neuen Familienmitgliedern teilen.

So geht es natürlich nicht nur den Familien, die im Dezember Weihnachten und im Frühjahr Ostern feiern. Für jedes Fest in unserem unmittelbaren Kulturkreis haben wir Rituale und Traditionen, die wir Jahr für Jahr abrufen und uns daran (mal mehr, mal weniger) erfreuen. Und so ergeht es auch Familien und Einzelpersonen auf der ganzen Welt, die Feste feiern, die für ihren kulturellen oder religiösen Kreis von großer Bedeutung sind. Auch sie haben Rituale und Traditionen, die zu einem Fest dazu gehören und die sie zelebrieren.

WIESO IST DAS FEIERN VERSCHIEDENER FESTE SO WICHTIG? – EIN EINBLICK IN INTERKULTURELLE KOMPETENZ UND PÄDAGOGIK

Der Begriff der interkulturellen Kompetenz oder der interkulturellen Pädagogik begegnet uns in unserem Alltag immer öfter. Was genau ist damit gemeint? Als interkulturelle Kompetenz bezeichnet man eine Schlüsselkompetenz, die vor allem im pädagogischen Feld einen zentralen Beitrag zu einem Aufwachsen mit Chancengleichheit und Integration leistet. Drei Faktoren sind in der interkulturellen Kompetenz besonders wichtig:

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Der Gang in die Kirche am Ostersonntag, der Duft nach Tannennadeln oder Punsch und das Glöckchen, das uns an Heiligabend zur Bescherung ruft. Diese Sinneseindrücke verbinde ich mit Weihnachten und Ostern. Wenn Du ebenfalls im christlich-deutschen Kontext aufgewachsen bist, wirst Du vermutlich ähnliche Sinneseindrücke im Kopf haben. Es sind Traditionen und Rituale, mit denen wir von klein auf vertraut gemacht werden und die wir mit dem Fest um Jesus verbinden. Einige von ihnen haben wir so sehr verinnerlicht, dass wir sie mit in unsere eigene Familie nehmen und sie mit neuen Familienmitgliedern teilen.

So geht es natürlich nicht nur den Familien, die im Dezember Weihnachten und im Frühjahr Ostern feiern. Für jedes Fest in unserem unmittelbaren Kulturkreis haben wir Rituale und Traditionen, die wir Jahr für Jahr abrufen und uns daran (mal mehr, mal weniger) erfreuen. Und so ergeht es auch Familien und Einzelpersonen auf der ganzen Welt, die Feste feiern, die für ihren kulturellen oder religiösen Kreis von großer Bedeutung sind. Auch sie haben Rituale und Traditionen, die zu einem Fest dazu gehören und die sie zelebrieren.

WIESO IST DAS FEIERN VERSCHIEDENER FESTE SO WICHTIG? – EIN EINBLICK IN INTERKULTURELLE KOMPETENZ UND PÄDAGOGIK

Der Begriff der interkulturellen Kompetenz oder der interkulturellen Pädagogik begegnet uns in unserem Alltag immer öfter. Was genau ist damit gemeint? Als interkulturelle Kompetenz bezeichnet man eine Schlüsselkompetenz, die vor allem im pädagogischen Feld einen zentralen Beitrag zu einem Aufwachsen mit Chancengleichheit und Integration leistet. Drei Faktoren sind in der interkulturellen Kompetenz besonders wichtig:

1. Das WISSEN um die Existenz von verschiedenen Kulturen und kulturellen Modellen, sowie das Bewusstwerden oder Bewusstsein über die eigene Kultur, die eigenen Sozialisationsziele und Erziehungsstile.

2. Eine interkulturelle HALTUNG anzunehmen, die eine Akzeptanz gegenüber verschiedenen Kulturen zulässt und eine Neugier und Offenheit schafft. Diese ermöglichen Dir, Deine eigene kulturelle Brille abzunehmen und die Welt mit einem (kultur-)offenen Blick zu sehen.

3. Aus diesem Wissen und dieser Haltung entsteht die PRAXIS, in der Du Dich mit den Herausforderungen einer diversen und multikulturellen Gesellschaft auseinandersetzt, ihr mit Neugier begegnest und Deine Begegnungen sowie Deine Haltung regelmäßig reflektierst.

Zu beachten ist, dass interkulturelle Kompetenz keine einmalig erlangte Fähigkeit. Es ist ein ständiger Prozess, sie zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Auch in Bildungseinrichtungen wie Kitas oder Schulen kannst Du diese Kompetenz anwenden, indem Du beispielsweise sprachfördernde Maßnahmen für Kinder anbietest oder Eltern einen Ort für ihre Fragen schaffst. Dort kannst Du sie besser darin unterstützen, sich in neuen Systemen zurechtzufinden. Wenn Du gerade nicht die Möglichkeit hast, solche großen Projekte ins Leben zu rufen und umzusetzen, ist es ein guter Schritt, in den Austausch mit Familien zu gehen und beispielsweise gemeinsame Feste zu organisieren. Denn jede Kultur hat ihre eigene Art Feste zu feiern. Gemeinsame Feiern bieten Familien eine gute Möglichkeit, anderen Menschen Einblicke in ihr Leben und ihre Kultur zu geben - verbunden mit etwas Positivem und Schönem, denn wer feiert nicht gerne Feste? Schaut gemeinsam, wie ihr die Hintergründe des Festes erlernen und aufarbeiten könnt und welche Traditionen und Rituale es gibt, die den Kindern Spaß machen könnten. So schaffst Du ein interkulturelles Miteinander, gegenseitige Wertschätzung und gemeinsames Kennenlernen neuer Kulturen und Feste. Und vielleicht wird so eine neue, eigene Tradition für Deine Einrichtung geschaffen.
Um herauszufinden, wie Du verschiedene Feste mit Kindern aus Deiner Kita oder Schule feiern kannst, schauen wir nun auf zwei Feste: eines aus dem christlich geprägten Deutschland und eines, das aus dem Islam stammt.

NÄCHSTENLIEBE UND LICHT – DAS ST. MARTINSFEST

Das christliche St. Martinsfest wird jedes Jahr am 11. November in Deutschland gefeiert und ist hierzulande eines der bekanntesten Feste. Die Botschaften hinter dem Fest sind die Wärme und Nächstenliebe, die der Soldat Martin einem armen Bettler entgegenbrachte, indem er seinen Mantel in zwei Teile teilte, um ihn mit einem frierenden Mann teilen zu können. Später in der Nacht erschien ihm dieser Bettler im Traum und offenbarte sich als Jesus Christus.
Heutzutage wird der St. Martinstag zumeist mit dem Martinssingen und den Martinsumzügen gefeiert, die in einigen Gegenden als Laternenumzüge bekannt sind. Die Umzüge enden meist mit dem Martinsfeuer. Je nach Region wird außerdem die Martinsgans serviert. Du merkst: Selbst innerhalb einer Religion oder eines Landes können sich Rituale eines Festes regional unterscheiden.

GEMEINSAM FEIERN

Ob im Zusammenhang mit dem christlichen Festtag oder losgelöst davon: Im November werden in den meisten pädagogischen Einrichtungen ohnehin viele Laternenumzüge geplant, aufwendig vorbereitet und durchgeführt. Es bietet sich also an, in Verbindung mit dem Festtag Laternen zu basteln. Deiner Kreativität und der der Kinder sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Zusätzlich kann in Morgenkreisen oder im Unterricht die Geschichte von Martin besprochen und von den Kindern in einem Theaterspiel nachgespielt werden. Dabei solltest Du vor allem die Aspekte des Teilens und der Nächstenliebe in den Vordergrund rücken. Vielleicht können sich die Kinder auch an einem Finger- oder Handpuppenspiel versuchen. Auch bietet es sich an, passende Lieder für die Umzüge vorzubereiten und zu üben. Für die Stärkung am Ende der Umzüge kannst Du auch gemeinsam mit den Kindern kleine Leckereien für sie und ihre Familien vorbereiten.

OPFER BRINGEN UND TEILEN – DAS MUSLIMISCHE OPFERFEST (ĪD UL-ADHA)

Muslim:innen feiern das Opferfest, um Abraham und seinem Sohn Ismail zu gedenken. Abraham hatte den Auftrag Gottes erhalten, seinen Sohn zu opfern. Als er diesem Auftrag gemeinsam mit seinem Sohn nachkommen wollte, schenkte Gott ihnen ein Tier, das sie stattdessen opfern konnten. 2025 findet das Fest vom 5. – 9. Juni statt. Es hat im Islam einen ähnlichen Stellenwert wie Weihnachten im Christentum.

Auch bei dem mehrere Tage andauernden Opferfest im Islam spielt das Teilen eine wichtige Rolle. Besuche bei der Verwandtschaft stehen auf der Tagesordnung und alle Familienmitglieder, Kinder wie Erwachsene, werden beschenkt. Das Fest wird mit einem Festtagsgebet begonnen, zu dem alle eingeladen sind. Nach dem Gebet gibt es Süßigkeiten für Kinder und Erwachsene. An den darauffolgenden Tagen kommt es meist zu der traditionellen Schlachtung eines Tieres. Brauch ist es, das gewonnene Fleisch in drei gleich große Stücke zu teilen und 2/3 davon an Freunde und Verwandte, sowie Arme und Bedürftige zu geben. Das übrige Drittel wird innerhalb der eigenen Familie geteilt. Aufgrund zahlreicher Regularien und Auflagen, die in Deutschland beachtet werden müssen um die Schlachtung eines Tieres durchführen zu können, verzichten die meisten eingewanderten Familien mittlerweile hierzulande darauf. Stattdessen schicken sie Geld an Verwandte in ihren Heimatländern, die die Schlachtung und die Verteilung des Fleisches übernehmen.

GEMEINSAM FEIERN

Aufgrund des hohen Stellenwertes, den das Opferfest im Islam einnimmt und der großen Anzahl an muslimischen Familien in Deutschland, lohnt es sich, einen Blick darauf zu werfen, wie das Fest kindgerecht in Kitas oder Schulen gefeiert werden könnte. Da sich ein Großteil des Festes um die Schlachtung und Opfergabe eines Tieres dreht, solltest Du im Vorfeld überlegen, wie Du auch diese Thematik kindgerecht aufbereiten kannst. Dazu könntest Du mit Eltern ins Gespräch gehen, die das Fest selbst feiern, um von ihnen zu erfahren, wie sie ihren Kindern diese Traditionen und Rituale erklären. Basierend auf den Erfahrungen der Familien kannst Du dann ein Konzept für das Fest entwerfen. Einige Ideen: Um den Aspekt des Teilens vordergründig aufzugreifen, könnten die Kinder beispielsweise ihre Zeit oder ihr Essen teilen - beim gemeinsamen Frühstück oder auf Ausflügen mit anderen Gruppen. Du könntest auch die Geschichte des Opferfestes über ein geeignetes Bilderbuch nacherzählen. Zum Abschluss bietet sich ein großes Buffet für alle Kinder an, zu dem muslimische Familien traditionelle Gerichte mitbringen, die mit dem Einrichtungskonzept abgestimmt sind, die alle Kinder probieren können.  —

Quellen

Titelbild: ©pexels.com / cottonbro studio

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Julia Nordt ist studierte Sprach- und Kulturwissenschaftlerin. Sie arbeitet als Fachkraft für sprachliche Bildung im Landesprogramm “Sprach-Kitas” Schleswig-Holstein und ist Studentin der Kindheitspädagogik.
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