Mar 19
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Simone Pangerl-Marksteiner
Pädagogik im Wandel - Wenn sich gesellschaftliche Veränderungen auf die Erziehung auswirken
Ein Artikel von Simone Pangerl-Marksteiner
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Die Dynamik in unserer Gesellschaft nimmt stetig zu. Dabei muss man bedenken,
welche Fähigkeiten und Ressourcen unsere Kinder brauchen, um zukünftig gut
in der Gesellschaft zu bestehen. "Kreative Lösungen sind gefragt, um resilient und
beweglich zu bleiben", sagt Kindheitspädagogin Simone Pangerl-Marksteiner. Im
Interview spricht Simone mit uns über aktuelle Themen, die unser gesellschaftliches
Leben und unsere Kita-Welt beeinflussen. Persönlich sieht sie die Resilienz als eine
der wichtigsten Zukunftskompetenzen von Kindern und Fachkräften.
So lange wir eine INTERESSIERTE, OFFENE HALTUNG
einnehmen, ist nicht immer das fachliche Wissen
ausschlaggebend, um neue LERNPROZESSE zu etablieren.
Unsere Gesellschaft befindet sich stetig im Wandel und verlangt nach ständiger Anpassung. Weshalb erfahren wir gerade jetzt „Erziehung unter schwierigen Bedingungen”? Welche spezifischen gesellschaftlichen Veränderungen haben Deiner Meinung nach den größten Einfluss auf die Erziehung in den letzten Jahren gehabt?
Wir erleben gerade einen Wandel in der Kita-Landschaft, neue
individuelle Bedürfnisse der Kinder und veränderte personelle Rahmenbedingungen
setzen andere Prioritäten in der pädagogischen
Arbeit voraus. Auch erleben Familien den gesellschaftlichen Wandel
oft als herausfordernd. Die Dynamik des Alltags erfordert besondere
Ressourcen. Die Corona-Pandemie hat uns zudem gesellschaftlich
geprägt, das Lernen im sozialen Gefüge ist in dieser Zeit
stark in den Hintergrund geraten, sodass neue Herausforderungen
für die pädagogische Praxis bestehen. Eine "Alles-ist-möglich-Gesellschaft"
bietet viele Chancen, aber auch Herausforderungen, und für
jeden einzelnen auch einen gewissen Leistungsdruck.
Diesen gesellschaftlichen Druck spüren auch Kinder und ihre
Familien. Daher liegt es an uns Pädagog:innen, auch das Bild vom
Kind zu überprüfen und unser Bildungsverständnis anzupassen,
sodass es insbesondere den Kindern gut geht. ...
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Die Dynamik in unserer Gesellschaft nimmt stetig zu. Dabei muss man bedenken,
welche Fähigkeiten und Ressourcen unsere Kinder brauchen, um zukünftig gut
in der Gesellschaft zu bestehen. "Kreative Lösungen sind gefragt, um resilient und
beweglich zu bleiben", sagt Kindheitspädagogin Simone Pangerl-Marksteiner. Im
Interview spricht Simone mit uns über aktuelle Themen, die unser gesellschaftliches
Leben und unsere Kita-Welt beeinflussen. Persönlich sieht sie die Resilienz als eine
der wichtigsten Zukunftskompetenzen von Kindern und Fachkräften.
So lange wir eine INTERESSIERTE, OFFENE HALTUNG einnehmen, ist nicht immer das fachliche Wissen ausschlaggebend, um neue LERNPROZESSE zu etablieren.
Unsere Gesellschaft befindet sich stetig im Wandel und verlangt nach ständiger Anpassung. Weshalb erfahren wir gerade jetzt „Erziehung unter schwierigen Bedingungen”? Welche spezifischen gesellschaftlichen Veränderungen haben Deiner Meinung nach den größten Einfluss auf die Erziehung in den letzten Jahren gehabt?
Wir erleben gerade einen Wandel in der Kita-Landschaft, neue
individuelle Bedürfnisse der Kinder und veränderte personelle Rahmenbedingungen
setzen andere Prioritäten in der pädagogischen
Arbeit voraus. Auch erleben Familien den gesellschaftlichen Wandel
oft als herausfordernd. Die Dynamik des Alltags erfordert besondere
Ressourcen. Die Corona-Pandemie hat uns zudem gesellschaftlich
geprägt, das Lernen im sozialen Gefüge ist in dieser Zeit
stark in den Hintergrund geraten, sodass neue Herausforderungen
für die pädagogische Praxis bestehen. Eine "Alles-ist-möglich-Gesellschaft"
bietet viele Chancen, aber auch Herausforderungen, und für
jeden einzelnen auch einen gewissen Leistungsdruck.
Diesen gesellschaftlichen Druck spüren auch Kinder und ihre
Familien. Daher liegt es an uns Pädagog:innen, auch das Bild vom
Kind zu überprüfen und unser Bildungsverständnis anzupassen,
sodass es insbesondere den Kindern gut geht.
In den Medien sehr präsent sind seit einiger Zeit die Themen Krisen, Flucht und Migrationspolitik. Welche Rolle spielt für Dich eine steigende kulturelle Diversität, aber auch eine soziale Ungleichheit für den gesellschaftlichen Wandel und für die pädagogische Praxis?
Wichtig ist es, auf diesen Wandel einzugehen. Unsere Gesellschaft
ist bunt und vielfältig. Die Herausforderung ist es, alle Bedürfnisse
der Kinder, alle gesellschaftlichen Strukturen, ohne Klassismus
und Ausgrenzung, wahrzunehmen und ihnen mit Achtsamkeit zu
begegnen. Hier muss in der pädagogischen Praxis viel Empathie
gelebt werden und Biographiearbeit der Fachkräfte erfolgen.
Zudem sind wir in unserer Pädagogik gefragt, diese spezifisch
anzupassen, um auf die jeweiligen Bedürfnisse und Strukturen flexibel
einzugehen. Chancengleichheit in der Pädagogik zu schaffen
ist ein wichtiger Bestandteil im Alltag. Auch die Kita-Teams sind
immer diverser, es gilt die unterschiedlichen Fähigkeiten zu nutzen
und wohlwollend mit Verschiedenheit umzugehen.
Welchen Stellenwert haben für Dich digitale Medien und Technologien bei den Herausforderungen, die uns aktuell begegnen? Können die älteren Generationen hier überhaupt mit den Anforderungen der Jüngeren mithalten?
Digitale Medien sind in unserer Gesellschaft omnipräsent. Die
Kinder wachsen schon im Kleinstkindalter in der Familie damit auf.
Digitale Medien bieten Chancen für Kinder, Zukunftskompetenzen
wie Kreativität, Motivation oder Ausdauer zu erleben und Lernprozesse
anzuregen. Wichtig ist es, den richtigen Umgang mit digitalen
Medien zu lernen und sie als Werkzeuge zu nutzen. Hier sind wir in
der Pädagogik gefragt und können gemeinsam mit den Kindern
Ideen entwickeln. Digitale Medien sind nicht nur Tablet und Handy,
auch eine Astkamera oder ein digitales Mikroskop können den
pädagogischen Alltag bereichern. Im pädagogischen Alltag können
wir alle voneinander und miteinander lernen. Auch die ältere Generation
kann mit einer forschenden und ko-konstruktiven Haltung
gemeinsam mit Kindern neue Wege gehen und Bildungsprozesse initialisieren.
Oft zeigen uns Kinder neue Perspektiven auf, weil sie kreativer
an Situationen herangehen als wir Erwachsene. Solange wir eine
interessierte, offene Haltung einnehmen, ist nicht immer das fachliche
Wissen ausschlaggebend, um neue Lernprozesse zu etablieren.
Wo siehst Du konkret die Verantwortung von Einrichtungen (Kitas, Schulen, etc.) als soziale Institutionen in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen? Und was kann jede einzelne Fachkraft im eigenen Alltag umsetzen?
Unser Auftrag ist es, Kinder zu befähigen, in unserer Gesellschaft
zu bestehen und sie aktiv mitzugestalten. Wir sollten versuchen,
den Kindern Zukunftskompetenzen zu vermitteln, die ihnen
dabei helfen - z.B. Empathie, kritisches Denken und die Möglichkeit,
beweglich und kreativ an Lösungen heranzugehen. Eine soziale Mitverantwortung
und die eigene Resilienz sind meiner Meinung nach
die essenziellsten Bereiche, in denen wir die Kinder stärken können.
Das Lernen im sozialen Gefüge und die Stärkung der Grundkompetenzen
der Kinder, also einen qualitativ hochwertigen Kita-/
Schulalltag für die Kinder zu etablieren, ist der primäre Verantwortungsbereich
für uns als Pädagog:innen. Hier gilt es Prioritäten zu
setzen. Die Zeit „mit“ und „am“ Kind sollte im Fokus stehen. Eine
sichere Bindung als Basis ist die Voraussetzung, damit Kinder sich auf ihre Umgebung einlassen können. Eine Interaktion mit dem
Kind, die als gegenseitig wertschätzend wahrgenommen wird,
schafft eine Umgebung des Wohlfühlens für Kinder und Erzieher:innen.
Und genau dies sollte die Basis für die tägliche Betreuung der
Kinder sein.
Der Dialog in der PÄDAGOGISCHEN PRAXIS,
sowohl mit Kind und Eltern als auch anderen Fachkräften,
bestärkt uns in unserem pädagogischen Handeln
und zeigt oft NEUE PERSPEKTIVEN auf.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Eltern und Familien in der Bewältigung von (neuen) gesellschaftlichen Herausforderungen?
Wir arbeiten in der pädagogischen Praxis in einem sogenannten
Beziehungsdreieck. Die institutionelle Betreuung zusammen
mit der Familie bietet die sichere Basis für das Kind. Daher ist eine
Zusammenarbeit mit Eltern unabdingbar, um dem Kind ein sicheres
Umfeld zu vermitteln. Vor allem im U3-Bereich ist es sowohl
für Kinder als auch Eltern die erste institutionelle Betreuung. Dies
ist oft mit vielen Emotionen verbunden. Hier müssen wir auch
Eltern gut auffangen, um dann wiederum den Kindern einen entspannten
Alltag zu ermöglichen. Die dynamische gesellschaftliche
Entwicklung geht auch an den Eltern der Kinder nicht vorbei. Wir
als Fachkräfte müssen hier einen Systemischen Blick auf die
Familie haben, sodass sich alle Beteiligten wohl und angenommen
fühlen. Einen zentralen Punkt in den Kitas werden zukünftig auch
Elternbildung und -beratung einnehmen, damit Familien eine bekannte
Anlaufstelle haben, um sich Hilfe zu holen. Das bedeutet für uns
eine intensive Vernetzungsarbeit, damit wir bestmöglich die unterschiedlichen
Fachrichtungen abdecken können. Immer mit dem
Fokus auf das Wohl des Kindes.
Welche Strategien kannst Du Fachkräften empfehlen, um das emotionale Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen zu fördern, die unter schwierigen Bedingungen aufwachsen oder Schwierigkeiten im Umgang mit den genannten gesellschaftlichen Veränderungen haben?
Wichtig ist es, hinter jedem Verhalten ein Bedürfnis zu sehen.
Insofern sollten wir als Fachkräfte achtsam und feinfühlig mit der
Situation umgehen. Die eigene Haltung biografisch zu reflektieren ist
oft der erste Schritt, um herausfordernde Situationen besser zu
bewältigen. Die feinfühlige Interaktion mit dem Kind ist der Schlüssel.
Wie können wir auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen? Was braucht das Kind? Im pädagogischen Alltag muss ich als Fachkraft
Situationen schaffen, in denen ich Zeit für das Kind habe - ob im
Freispiel, beim Mittagessen oder im Garten. Kurz: Eine Situation,
die von einem positiven Klima geprägt ist. So können wir Sicherheit
vermitteln und den Kindern zeigen: „Ich sehe Dich und Dein
Bedürfnis.“ Das eröffnet bei allen Beteiligten Chancen, Bewältigungsstrategien
zu entwickeln. Der Dialog in der pädagogischen
Praxis, sowohl mit Kind und Eltern als auch anderen Fachkräften,
bestärkt uns in unserem pädagogischen Handeln und zeigt oft neue
Perspektiven auf.
Mit Blick auf aktuelle und kommende Herausforderungen: Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Kompetenzen und Ressourcen, die Pädagog:innen benötigen, um erfolgreich mit gesellschaftlichen Veränderungen umzugehen?
Es braucht eine dialogische Pädagogik mit einer hohen Interaktionsqualität
der pädagogischen Fachkräfte. Das bedeutet, dass
wir als Fachkräfte auch sehr flexibel sein müssen, um „am Kind zu
arbeiten“ und einen pädagogischen Alltag voller Qualität zu schaffen.
Präsent zu sein, mitzuspielen und durchweg Ansprechpartner:in und
Bindungsperson für das Kind zu sein. Dies bedeutet aber auch, dass
wir selbst in unserer Haltung reflektiert sein und achtsam mit uns
umgehen sollten. Ein pädagogischer Alltag, in dem sich jeder wohl und
angenommen fühlt, schafft die ideale Basis, um optimale Lernprozesse
für die gesellschaftliche Zukunft zu etablieren. Zudem gilt es zu beachten,
dass die Zukunftskompetenzen für Kinder auch unsere Zukunftskompetenzen
darstellen. Insofern sollten wir selbst lernen, kreative
Lösungsstrategien zu finden und zuzulassen, kritisch zu denken,
Empathie zu leben und Lernen im sozialen Gefüge zu ermöglichen.
Und mit Blick auf die Kinder, die wir als Pädagog:innen begleiten: Was sind die wichtigen Zukunftskompetenzen für Kinder, damit sie in unserer Gesellschaft gut bestehen?
Kreativität, Motivation, Empathie, Ausdauer, Resilienz, Umgang
mit Diversität, soziale Mitverantwortung, kritisches Denken. Dies
sind alles Zukunftskompetenzen, die für die Kinder essenziell sind.
Persönlich liegt mir die Resilienz besonders am Herzen. Ich glaube
es ist auch für Kinder immer wichtiger, ihre persönlichen Ressourcen
zu kennen, um resilient zu sein und zu bleiben. Dies ist ein ständiger Lern- und Entwicklungsprozess, der auch die Reflexion der eigenen
Person voraussetzt. Deswegen sollte der Fokus der pädagogischen
Praxis nicht mehr nur die Wissensvermittlung sein, sondern die
Stärkung der individuellen kindlichen Persönlichkeiten. Sich wohl zu
fühlen und angenommen zu werden („so wie ich bin, bin ich willkommen“)
ist ein wichtiger Faktor, um Kindern ein positives Sein in der
Kita zu ermöglichen. Die Gruppendynamik, das soziale Klima in der Gruppe zu erfassen und darauf einzugehen, wird für Fachkräfte
immer wichtiger. Und natürlich als Basis allen voran eine gute Bindung
und Beziehung zum Kind, damit Lernen überhaupt möglich
sein kann. Lernen ist so individuell wie jedes Kind, mit vielen kreativen
Lösungsansätzen, kritischen Denkanstößen, empathischem
Empfinden, mit ausdauernder, intrinsischer Motivation und viel
Spaß. —
Quellen
Illustration: ©freepik.com/pikisuperstar
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Simone Pangerl-Marksteiner lebt mit ihrer Familie in Landshut. Sie ist Kindheitspädagogin, Lehrerin an
der Fachakademie für Sozialpädagogik und ehemalige pädagogische
Qualitätsbegleitung in Bayern. Sie unterstützt zudem seit vielen Jahren
Einrichtungen in ihrer Entwicklung des Kita-Alltags. Dabei ist es ihr
besonders wichtig, auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und neue
Themen einzugehen, die Kita-Landschaft im ständigen Wandel zu sehen
und hier einen Systemischen Blick auf die aktuelle Situation zu geben.
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